Ein Silvester-Kurztrip nach Warschau

Trashig, blinkig, kitschig und irgendwie voll schön. So könnte man das weihnachtliche Warschau ziemlich treffend beschreiben. Ich reiste über Silvester in die polnische Hauptstadt und habe ein paar Tipps für euch im Gepäck.

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2 Tage sind zu kurz für einen Trip nach Warschau. 2 Tage über Silvester sind nichts. So viel kann ich nach diesem Silvester-Kurztrip sagen. Denn berechnet man mit ein, dass der Neujahrstag erst frühestens um 14 Uhr beginnt und es um 16 Uhr schon wieder dunkel ist, hat man nur noch einen Tag Zeit, die 1,7 Millionen-Einwohner-Stadt zu erkunden. Dass das nicht klappt, liegt auf der Hand. Ihr solltet also mindestens 3 volle Tage Zeit haben, um auch mal vom Wege abschweifen zu können und nicht nur DIE Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Nowy Swiat - bekannte Straße in Warschau - Tipp Kurztrip

Die Nowy Świat: Auf dem Königsweg durch Warschau

Unterkunft für einen Kurztrip in Warschau: Im Szeneviertel der Stadt

Wie eigentlich (fast) immer im letzten Jahr, buchten wir auch für Warschau wieder eine Wohnung über AirBnB. Dafür gab es mehrere Gründe: Zum Einen sind wir mit 7 Leuten gereist. Da wir uns nur alle paar Monate sehen, wollten wir die Tage auch wirklich zusammen verbringen, gemeinsam einkaufen, kochen, auf dem Sofa lümmeln. Ferienwohnungen sind hierfür schon mal toll. Bei Air BnB bekommt man diese in einer zentrumsnahen Lage für wenig Geld inklusive Insidertipps. Perfekt. Hier kannst du dich bei AirBnB anmelden und erhälst einen 20 Euro Gutschein bei deiner ersten Buchung.

Dieses Mal sind wir bei Agnes in der Näher der Straße Emilii Plater untergekommen (Unsere Unterkunft) und landeten in einem hübschen Apartment mit hohen Decken, großen Lampen, Dielenboden und leider auch sehr hellhörigen Wänden. Irgendwie aber auch nicht sehr klug von mir, keine Ohrstöpsel mitzunehmen. Jedenfalls ist die Wohnung sonst zu empfehlen – für ca. 15 Euro die Nacht pro Person wohnten wir nur 15 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof entfernt in einer hübschen Straße mit einigen süßen, schwedisch eingerichteten Cafés.

Zum Platz „Plac Zbawiciela“ mit seinem großen Regenbogen ist es nicht weit. Hier, wo das trendige Leben tobt, findet ihr viele Restaurants und Bars (ein schöner Artikel dazu auf Süddeutsche.de). Die vorangeschrittene Neujahrsnacht verbrachten wir im Plan B mit Polens Hipster-Hauptstädtern. Wir mussten keinen Eintritt zahlen, das Bier war nicht teuer, nur die Musik war zu leise. O-Ton von einem Freund, der in Warschau wohnt: „Hier tanzt man nicht. Hier trinkt man und sieht cool aus.“ Getanzt haben wir trotzdem, so gut es ging unter den Lautsprechern.

Was uns sehr erschrocken hat, ist, dass der Regenbogen regelmäßig von Rechtskonservativen abgebrannt wird. Der Grund: Hass, denn das eigentlich unpolitisch gemeinte Kunstwerk hat sich als Symbol für die Rechte von Homosexuellen, für mehr Toleranz, für Gleichheit etabliert. Doch der Bogen wird immer wieder aufgebaut. Richtig so!

Ein Spaziergang durch Warschau – vom Hauptbahnhof in die Altstadt

Am 31.12. haben wir es ab mittags endlich geschafft, zu einem Spaziergang durch Warschaus Zentrum aufzubrechen. So kamen wir zuerst am pompösen Kulturpalast vorbei, dem alten Stalin-Bau, der monumental und total protzig zwischen den vielen gläsernen Hochhäusern thront und in dem ein integriertes Kino ein ganz besonderes Ambiente bietet (wenn ihr mehr Zeit habt auf eurem Kurztrip in Warschau sicher ein guter Tipp).

Der Kulturpalast in Warschau - Must-See für einen Kurztrip

Polnische Hausmannskost: Von Piroggen und Milchbars

Weiter ging´s Richtung Altstadt, auf der Nowy Swiat im Viertel Mariensztal entlang, einer bekannten (vielleicht sogar der bekanntesten) Straße in Warschau, in der ein Café und Bistro das nächste ablöst. Die noblen Häuser hier sind wie über 90 Prozent der Stadt im 2. Weltkrieg komplett abgebrannt und wurden so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut. Doch wenn man es nicht wüsste, würde man es nicht merken.

Hier ist alles etwas teurer als weiter ab vom Schuss und trotzdem für deutsche Verhältnisse noch sehr günstig. Wir aßen in einem der vielen Restaurants polnische Piroggen (gefüllte Teigtaschen) und zahlten jeder knapp 10 Euro für das wirklich mächtige Mahl – inklusive Getränken. Es gibt in dieser Gegend viele schöne Gasthäuser – am 31.12. ohne Reservierung noch einen Tisch für so viele Personen zu bekommen, gestaltete sich jedoch schwierig. Das nächste Mal würden wir uns vielleicht vorher etwas besser erkundigen. So haben wir gelesen, dass die schlichten Kantinen mit Namen „Milchbar“ gute polnische Hausmannskost für wenig Geld bieten sollen (z. B. das Rusalka im aufstrebenden Viertel Praga). Mehr Tipps und Adressen zu den besten Milchbars der Stadt auf sueddeutsche.de.

Übrigens finde ich es besonders schade, auf dem Warschau-Kurztrip keine Zeit für Praga gehabt zu haben: alternativ soll es sein, zwielichtig, aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

Polnisches Essen: Piroggen in Warschau

Festlich, kitschig, prächtig: Polens Innenstadt zu Weihnachten und Silvester

Die gesamte Straße bis zum historischen Altstadtmarkt mit seinen pastellfarbenen Kaufmannshäusern, dem Königsschloss und den vielen Cafés ist wunderbar trashig geschmückt. Bäume und Straßenlaternen funkeln in unterschiedlichen Farben um die Wette und werden gesäumt von Palästen und Kirchen auf diesem Königsweg (ja so wird dieser Spaziergang genannt). Alles wirkt perfekt, so als wären die Gebäude Jahrhunderte alt, dabei ist ja alles erst in den letzten Jahrzehnten wieder aufgebaut worden. Seht selbst:

Altstadtmarkt in Warschau: Tipp für einen Kurztrip

Altstadt Warschau - Kurztrip über Silvester

Nowy Swiat - geschmückte Straße in Warschaus Innenstadt

Praktische Tipps für euren Kurztrip nach Warschau

Hinkommen:

  • Zug (Warschau-Berlin-Express) für 39 Euro über die Deutsche Bahn (frühzeitig buchen! Die Plätze sind reservierungspflichtig).
  • Mit dem Bus seid ihr günstiger unterwegs: Unsere Freunde bezahlten nur knapp 20 Euro für die Strecke Berlin – Warschau. Dafür waren sie aber auch die ganze Nacht unterwegs. Zur Fernbussuche

Währung:

Zloty – Währungsrechner

Beste Reisezeit:

Im Winter solltet ihr euch unbedingt warm einpacken – die gefühlte Temperatur ist oft niedriger als bei uns in Deutschland. Generell ist es um die Weihnachtszeit schön in Warschau – das macht nicht zuletzt eben der kitschig-bunte-Weihnachtsschmuck, der bis weit nach Neujahr große Teile der Stadt verziert. Dennoch habe ich gehört, dass die polnische Hauptstadt vor allem im Sommer der absolute Kracher ist. Jörg, ein Freund, der in Warschau lebt, sagt, dass er noch nie so viele junge Leute in einer Stadt gesehen hat, die bei warmen Temperaturen aus allen Winkeln geschossen kommen. Deshalb sei hier immer was los – Hausparties, Open Airs, Parties in den Bars an der Weichsel …

Von Oktober bis November oder Januar bis März würde ich eher nicht nach Warschau reisen. Es kann mitunter doch sehr grau und kalt sein.

Mehr Tipps für einen Kurztrip nach Warschau?

Zugegeben, viel haben wir leider von der polnischen Hauptstadt nicht gesehen. Es war für uns vor allem ein Freunde-Wiedertreffen, und ja, vielleicht waren auch die einen oder anderen Wokdas schuld. Habt ihr also ein paar gute Tipps, lasst es mich gern in den Kommentaren wissen und andere Leser dran teilhaben.

Fakt ist: Ich würde gern wiederkommen, besonders im Sommer, und mich berieseln lassen, von dieser wirklich überraschenden Stadt, die prunkvoll, szenig und plattengrau zugleich ist.

Na zdrowie, Eure Sina

Kategorie Kurztrips, Warschau

Ich bin chronisch ferndurstig, lasse mich gern treiben, und liebe es, ein Land langsam und intensiv zu bereisen – und das Glücksgefühl, das ich habe, wenn ein Ort mich in seinen Bann zieht. Seit Dezember 2016 heißt es: Vollzeitreisen. Ich habe meinen Traum in die Tat umgesetzt und bin mit meinem Freund auf Weltreise gegangen. Jetzt lebe und arbeite ich überall auf der Welt, aber am liebsten in Hamburch, Bali und Thailand. :) Mein neuer Blog: www.soulflake.de mit Texten über die Freiheit, mehr wir selbst zu sein. Mein erstes E-Book: www.blog-wings.de (Blog erstellen leicht gemacht)

5 Kommentare

  1. Jetzt frage ich mich schon den ganzen Artikel lang, warum der Neujahrstag erst um 14 Uhr beginnt und finde keine Antwort darauf :)
    Klar, beim Silvester in Schweden war ja auch um halb Eins schon Feierabend, aber ich hab auch schon bis 6 Uhr Silvester gefeiert. Spätestens um 8 aber wieder auf den Beinen. Will doch was sehen, wenn ich unterwegs bin :) oder kommt das daher, dass ich früher an Neujahr immer um 9 Uhr in die Kirche musste, so dass ich das gewohnt bin?

    • Hi Naninka,

      ich muss schmunzeln :) Ja, wir haben in der Tat etwas zu doll gefeiert und hätten leider keineswegs um 8 aufstehen können. Hut ab, dass das für dich kein Problem ist :)

      Lieber Gruß, Sina

  2. Hey Sina,
    mein Freund und ich überlegen nun dieses Jahr auch, über Silvester nach Warschau zu fahren. An sich reizt uns die Stadt schon sehr. Was mich interessieren würde, wie war das denn so mit der Knallerei, also vor/am 31.12.? Ich will dem ganzen Rumgeböllere eigentlich entfliehen, weiß nun aber nicht, ob Polen als Silvesterziel ruhiger als Berlin wäre (wo ich herkomme). Vielleicht hast du davon ja noch Eindrücke und Erinnerungen behalten und kannst dazu etwas berichten. (:
    Viele Grüße
    Lina

    • Hi Lina,

      soweit ich mich erinnere wurde dort kaum geknallt, jedenfalls nicht in den Wohnvierteln. Wir haben eine Home-Party gemacht und sind erst früh morgens losgezogen – da gab es keine Böllerei. LG Sina

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