Von Porto ins Douro-Tal: ein Tag in Pinhão

Mitten im Douro-Tal, der Heimat des portugiesischen Portweins, liegt das kleine Dörfchen Pinhão. Umgeben von bezaubernden Weingärten, dem mächtigen Douro und urigen Quintas ließen wir uns von der ursprünglichen Atmosphäre dieses Ortes verzaubern.

Während wir unseren Portugal-Trip planten, wusste ich schnell: ich muss unbedingt einen Abstecher ins Douro-Tal machen – komme was wolle. Die Bilder auf Instagram waren einfach zu verlockend!! Und eins kann ich schon vorwegnehmen: hier, im Zentrum von Portugal, war es einfach zu schön, um wahr zu sein.

Per Zug von Porto ins Douro-Tal: Ein Traum für eine individuelle Reise durch Portugal

Tipps auf einen Blick:

  • Von Porto aus mit dem Zug bis Pinhão fahren (auf eigene Faust)
  • Eine Bootstour über den Fluss Douro machen und sich den erfrischenden Wind um die Ohren wehen lassen (braucht man bei 30 Grad im Hochsommer)
  • Sich im Ponto Grande deftiges portugiesisches Essen schmecken lassen (nichts für Vegetarier!) Hinweis: Leider hat dieses Lokal in den letzten Jahren wohl an Qualität eingebüßt. Würden wir als nicht mehr ohne Weiteres empfehlen. Schaut euch am besten vor Ort um
  • Unbedingt eine Quinta (Weingut in Portugal) besuchen und eine Weinprobe mitmachen
  • Zurücklehnen und genießen

Wie kommt man am besten von Porto ins Douro-Tal? Ein Tagestrip auf eigene Faust

Wir planten für unseren Porto-Trip fünf Tage ein, um genug Zeit für einen Tagesausflug ins Douro-Tal zu haben. Zunächst informierten wir uns unten in der Ribeira in Porto über Bootsfahrten ins etwa zwei bis drei Stunden entfernte Pinhão. Begeistert waren wir von den Angeboten nicht: ca. 80 Euro sollte die Fahrt am Wochenende kosten. In einer großen Reisegruppe würde man morgens mit dem Schiff auf dem Douro losfahren, für 2 Stunden in Pinhão halten und dann zurück mit der Regionalbahn nach Porto (oder umgekehrt: erst Zug, dann Schiff). Das klang nicht nur teuer, sondern auch sehr unflexibel.

Anreise: Deshalb holten wir uns an Portos Bahnhof Sao Bento Tickets für den Bimmel-Zug nach Pinhão (ca. 10 Euro) und machten den Trip einfach kurzerhand auf eigene Faust. Ihr braucht ca. 2,5 Stunden pro Strecke, da der Zug an allen möglichen Bahnhöfen hält. Info: Wann die Bahnen fahren, könnte ihr direkt auf bahn.de* nachschauen. Günstige Flüge recherchieren wir über Skyscanner* und Google Flights.

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Wohin ins Douro-Tal – Peso da Régua oder Pinhão?

Die meisten Touri-Tour-Anbieter fahren nur bis Peso da Régua, ein Dorf, das ungefähr eine Stunde vor Pinhão entfernt liegt. Wir recherchierten ein bisschen im Internet und entschieden uns, weiter zu fahren. Warum? Erstens wird die Landschaft erst ab Peso da Régua wirklich idyllisch. Zweitens ist Pinhão viel kleiner, uriger, ursprünglicher. Also genau so, wie wir es wollten.

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön! Auf der Linha do Douro ins Tal der Portweine

Wir fuhren Sonntagmorgen um 9 Uhr mit der Regiobahn los, zunächst durch Portos Vororte, vorbei an tristen Häusern und einer wenig schönen Landschaft. Doch schon ab dem Örtchen Parodes wurde die Umgebung fröhlicher. Weiß angestrichene Lehmhäuser standen schief an den Hängen, rundherum tauchten vereinzelte Weinstauden auf, die sich wunderbar wild die Hügel emporschlängelten und mal hier und da an gelben Maisfeldern stoppten. Wir fuhren vorbei an unterschiedlichsten Bäumen – mal groß, mal klein, mal buschig, mal knochig. Zwischendurch hielt der Zug immer wieder an alten Bahnhöfen, mit Bahnhofshäusern aus Stein, verziert mit verblassten Azulejos.

Je weiter wir ins Zentrum Portugals vorrückten, desto mehr kämpfte sich die Sonne durch die dichten Wolken.

Es war erstaunlich kühl für August. Die Temperaturen kletterten nicht über 27 Grad, sanken oft sogar unter die 20-Grad-Marke. Im Douro-Tal sollte es weitaus heißer sein. Kurze Sachen hatten wir im Gepäck, voller Vorfreude auf die Sommer-Dröhnung.

Irgendwann ging es steiler bergab ins Tal, der Wald wurde von Weinhängen durchbrochen, die aussahen wie hellgrüne Gärten im dunkelgrünen Meer aus Bäumen. Sie waren jetzt so hoch, dass sie die vielen Häuser und Finkas um Meter überragten. Und kurz vor Mosteiro, einem kleinen Ort in Zentrum Portugals, ließ er sich zum ersten Mal blicken, der berühmte Fluss Douro, nach dem dieses romantische Weinanbaugebiet im Norden Portugals benannt ist. Der Zug schob sich die restliche Fahrt an seinem Ufer entlang. Wie ein Schiff segelten wir dahin und schmiegten uns eng ans tiefgrüne Wasser.

Verlassen Quintas an den Hängen in Pinhao, Douro-Tal Portugal

Ankommen in Pinhão

Bahnhof in Pinhão - Douro-Tal, Portugal

Den Douro erkunden – eine Bootsfahrt

Als wir in Pinhão ankamen, suchten wir sofort das Wasser und buchten eine Bootstour für ca. 10 Euro. Es sollte weiter ins Landesinnere gehen, in die Tiefen des Weinanbaugebiets – irgendwo ins Nirgendwo. Die Sommer-Dröhnung bekamen wir übrigens sofort. Es war brütend heiß. Wir stiegen ins Boot, saßen draußen. Die Mittagssonne knallte uns auf die Beine, so sehr, dass ich kurz überlegte, ins Boot zu huschen. Doch dann bewegten wir uns und die Hügel um uns herum. Wir stachen in See.

Die einstündige Fahrt kam uns vor wie zehn Minuten, so beeindruckt waren wir von der schönen Natur. Wir sahen nur ein einziges kleines Boot mit ein paar jungen Leuten, die gerade an einem Steg anlegten, um sich im Wasser abzukühlen. Sonst waren keine anderen Menschen unterwegs, keine anderen Häuser zu sehen, nur hier und da mal eine der typischen Quintas. Einsam und verlassen. Umhüllt von endlosen Rebterrassen.

Bootsfahrt auf dem Douro durch das Weinanbaugebiet Nordportugals

Bootsfahrt auf dem Douro durch das Weinanbaugebiet Nordportugals

Deftiges portugiesisches Essen

Hinweis: Leider haben mir mehrere Leser berichtet, dass das Restaurant sehr schlecht geworden sein soll. Wie traurig! :( Am besten ihr schaut vor Ort, welches Restaurant euch zusagt. 

Zurück von der Bootstour mussten wir uns erstmal stärken und gingen in das Ponto Grande – eine Empfehlung vom Gallery Hostel in Porto. Der Besitzer hatte uns eindringlich gewarnt, das Lokal nicht mit dem Grande Ponto zu verwechseln, das ja (fast) den gleichen Namen trägt und sich nur ein paar Meter weiter am Bahnhof befindet. Die Empfehlung schien sich rumgesprochen zu haben und unseren Hostelkumpel trafen wir dort mit einer Reisegruppe. Das Lokal war proppevoll.

Wir warteten ca. 30 Minuten auf unseren Tisch, was uns nichts ausmachte, da wir immerhin aus aus der prallen Mittagssonne flüchten konnten. Andere Gäste fanden das nicht so lustig. Doch seinen Platz aufgeben, wollte niemand. Und je länger wir da standen und auf die Teller der glücklichen (weil schon bedienten) Gäste starrten, wussten wir auch warum. Die Kellner hörten nicht auf, Massen an Platten, Töpfe und Schüsseln auf den Tisch zu stellen. 4 Gänge gab´s, Portwein (natürlich, wir sind ja auch im Weinanbaugebiet) und Wasser inklusive.

Wählen konnte man nicht, aber das war auch egal. 15 Euro kostete das Komplett-Menü mit so viel Essen, dass einem ganz schwummrig wurde. Wir kamen bis zum Gang 3, mehr war nicht drin. Leider. Das rustikale Essen mit portugiesischen Köstlichkeiten hatte es in sich: Gefüllte Wurst mit so etwas wie Knödel, Lamm mit Kohlgemüse, ein Pfannengericht mit Huhn und noch etwas, das ich vergessen habe, lässt einen satt bis an die Ohrenspitzen aus dem Lokal taumeln. Toll!

Deftiges portugiesisches Essen im Ponto Grande im Douro-Tal, Pinhao

Zusatz: Ich kann nicht genau sagen, ob es dieses Menü täglich oder nur sonntags gibt – aber in jedem Fall bekommt ihr deftige portugiesische Küche serviert.

Weinprobe bei 35 Grad – Prost!

Dann überlegten wir, was wir noch mit den verbleibenden drei Stunden anfangen könnten und entschieden uns, das Weingut Quinta da Foz zu besuchen, das in ca. 500 Meter Entfernung auf einem kleinen Hügel thronte. Zunächst sahen wir keine Menschenseele auf dem Gelände. Wir stapften bei gefühlten 35 Grad den Sandweg hoch, kamen an einem kleinen plätschernden Pool vorbei, der sehr, sehr laut nach uns rief und passierten Orangenbäume und Weinstauden. Je höher wir kamen, desto atemberaubender wurde der Blick über Pinhão.

Ausblick von der Quinta da Foz auf Pinhão und das Douro-Tal

Eine Weinprobe konnte wir hier aber nicht machen. Deshalb drehten wir wieder um. Erst dann sahen wir gleich am Eingang ein kleines Schild für Besucher, dem wir folgten. Kurz darauf hörten wir lustiges Gegacker, Stimmengewirr, das immer lauter wurde und wussten: hier wird Wein probiert! Auf uns wartete ein kleines Lädchen in der Quinta, in dem neben dem obligatorischen Portwein auch Rot- und Weißweine aus eigener Herstellung verkauft wurden. Natürlich machten wir eine Weinprobe mit und ließen uns für 7 Euro drei fantastische Vintage-Weine kredenzen. Im Anschluss besichtigen wir die Hallen, in denen der Wein hergestellt wird, was super interessant war (und das lag nicht nur am guten Wein). So vergingen die Stunden auf dem Weingut wie im Flug – und ich empfehle jedem, unbedingt eine der vielen Quintas auf der Portugalreise zu besuchen.

Weinprobe in der Quinta da Foz in Pinhao, Douro-Tal Portugal

Tschüssi Pinhão, du süßes Ding!

Gut gelaunt, beschwingt vom Wein und dem tollen Tag, gingen wir wieder zum Bahnhof, stiegen in unseren Zug und fuhren auf geradem Wege zurück nach Porto. Von der Rückfahrt bekamen wir nicht mehr viel mit. Wir schliefen sofort ein. Ob es am Wein, dem Essen, der Hitze oder den vielen Eindrücken lag, weiß ich nicht. Is´ ja auch egal.

Ich kann diesen Trip wirklich jedem ans Herz legen, der auch das ursprüngliche Portugal kennen lernen möchte – mit all seinen faszinierenden kulturellen und natürlichen Facetten. Sollte ich noch einmal nach Portugal reisen (was eigentlich außer Frage steht), würde ich auf jeden Fall im Douro-Tal übernachten. Es gibt z. B. einige Unterkünfte, deren Pool direkt am Hang liegt, sodass man planschend mit einem Wein in der Hand über das Douro-Tal schauen kann. Wenn ich so drüber nachdenke, würde ich am liebsten sofort einen Flug buchen.

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Am Eingang der Quinta da Foz in Pinhao, mitten im Douro-Tal in Portugal

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Kategorie Beliebteste Artikel, Kurztrips, Pinhao & Douro-Tal, Portugal

Hi, ich bin Sina, studierte Journalistin und Medienmanagerin, Vegetarierin, Yoga-verloved und vor allem eins: ferndurstig. Ich liebe es, ein Land intensiv zu bereisen - und das Glücksgefühl, wenn mich ein Ort voll und ganz in seinen Bann zieht. Lange Zeit blieben Reisen und Schreiben Hobbies. Das ging solange gut, bis ich das erste Mal nach Thailand flog und mich Hals über Kopf ins Land des Lächelns verliebte. 1,5 Jahre später kündigte ich trotz massiver (Sicherheits-)Ängste meinen Job und ging mit meinem Freund auf große Reise. Ohne Rückflugticket. Seitdem hat sich mein Leben stark verändert: Ich habe mich als Autorin und Bloggerin selbstständig gemacht, mein erstes Buch veröffentlicht, kultiviere Langsamkeit und versuche, meinen (Existenz-)Ängsten immer weniger Kraft zu geben. Auf Ferndurst nehme ich dich mit auf meine Reisen - und möchte dir den Mut geben, auf dein Herz zu hören und deine Träume zu leben.

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